Billiger heißt nicht günstiger: der KI-Modell-Überblick im September 2026

Die großen Anbieter liefern sich einen Preiskampf. Wer KI in Kirche oder Verwaltung einsetzt, sollte deshalb anders rechnen als bisher.

Kaum hast du dich an ein KI-Modell gewöhnt, gibt es schon das nächste. In der Woche um den 22. September 2026 haben gleich drei große Anbieter neue Modelle veröffentlicht, teils im Abstand von neunzig Minuten. Wer da noch mitkommt, macht das entweder beruflich oder hat keine Gemeindebriefe zu schreiben.

Deshalb hier der Überblick. Er enthält eine Beobachtung, die wichtiger ist als die Modellnamen: Beim Wettrennen geht es gerade kaum noch um Leistung. Es geht um den Preis.

Was ist eigentlich neu erschienen?

📂 OpenAI hat GPT-6 Sol und GPT-6 Luna veröffentlicht. Sol ist für schwierige Aufgaben wie das Schreiben und Prüfen von Programmcode gedacht. Luna soll große Mengen einfacher Aufgaben erledigen, zum Beispiel Dokumente zusammenfassen. Die Preise sind im Vergleich zu den Vorgängern ungefähr halbiert. Laut dem Analysedienst Artificial Analysis bleibt die Leistung dabei auf dem bisherigen Niveau. In manchen Tests sind die Modelle etwas besser, in anderen etwas schlechter (Benchmark-Check bei ai-handwerk.de).

📂 Anthropic hat Claude Opus 5.5 vorgestellt. Laut Hersteller leistet es so viel wie das größere Schwestermodell, kostet aber im typischen Einsatz rund 40 Prozent weniger und arbeitet schneller. Heikle Anfragen, etwa zu Cybersicherheit oder Biologie, sollen Filter erkennen und an ein schwächeres Modell weiterleiten. Ob das zuverlässig funktioniert, wird sich zeigen.

📂 xAI, inzwischen unter dem Dach von SpaceX, hat Grok 4.7 veröffentlicht. Das Modell soll vor allem beim Programmieren und bei Agenten-Aufgaben besser geworden sein. In den unabhängigen Ranglisten liegt es aber hinter den Spitzenmodellen von Anthropic und OpenAI.

Warum der günstigste Preis nicht die günstigste Lösung ist

Bei Grok lässt sich etwas beobachten, das für deinen Alltag entscheidend ist. Pro Token ist das Modell günstig. Es verbraucht aber so viele Tokens, dass eine einzelne Aufgabe am Ende teils mehr kostet als bei der Konkurrenz.

Ein Token ist grob ein Wortbestandteil. Die Anbieter rechnen danach ab, und wie viele Tokens ein Modell für eine Aufgabe braucht, ist sehr unterschiedlich. Anthropic wirbt bei Opus 5.5 ausdrücklich damit, dass es für dieselbe Arbeit weniger Tokens braucht. Simon Willison spricht deshalb von einem neuen Preiskampf (Simon Willison zum Preiskampf).

Die Zahl auf der Preisliste sagt wenig. Entscheidend ist, was eine erledigte Aufgabe kostet.

Als Verwaltungsbeamter kenne ich dieses Muster aus jeder Ausschreibung: Der niedrigste Einzelpreis gewinnt, und abgerechnet wird dann nach Aufwand.

💡 Quickwin: Gib vor einer Entscheidung für ein Modell dieselben drei echten Aufgaben aus deinem Alltag an alle Kandidaten, zum Beispiel ein Protokoll zusammenfassen, eine Pressemitteilung entwerfen und eine Mail beantworten. Vergleiche Ergebnis und Kosten pro Aufgabe, nicht pro Token. Verwende dafür Beispieltexte ohne personenbezogene oder seelsorgliche Inhalte.

Was heißt das für Kirche und Verwaltung?

Für die meisten Aufgaben in Pressestelle, Gemeindebüro oder Verwaltung brauchst du kein Spitzenmodell. Zusammenfassen, sortieren, umformulieren: Genau dafür sind die günstigen Massenmodelle wie Luna gebaut. Dass sie gerade billiger werden, ist die eigentlich gute Nachricht dieser Woche.

Vorsicht ist bei den Benchmarks geboten. Die Hersteller wählen ihre Vergleiche selbst aus. OpenAI hat laut dem heise-Podcast KI-Update einige sonst übliche Vergleichstests weggelassen. Die schönste Grafik stammt immer vom Anbieter selbst. 😉

Welches Modell nutzt du gerade für deine Routineaufgaben, und weißt du, was dich eine einzelne Aufgabe damit kostet?

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