Presbyterium rebranded – Gemeindehaus Executive Edition

Was neun Fake-Produkte über echte Sitzungskultur verraten.

Zwei Stunden Sitzung. Fünf Minuten Inhalt. Kennst du. Ich auch. Und ich habe monatelang mitgemacht, ohne mir zu überlegen, warum das eigentlich so ist.

Dann habe ich neun Produkte erfunden, die das Problem lösen. Espresso-Vollautomat im Aktenkoffer. Brillantbesetztes HDMI-Kabel gegen Beamer-Chaos. Ein Schleudersitz für den Moment, in dem jemand bei TOP 17 noch eine Kleinigkeit hat. Alles fiktiv, alles mit KI gebaut, alles Satire.

Der Witz war schnell da. Die Arbeit fing danach erst an.

Warum ein Konzept kein Produkt ist

Mein erster Entwurf für die Redebeitrags-Begrenzung hieß „Wortbeitrags-Begrenzungsanlage“. Klang nach Lösung. War aber nur ein Wort für ein Problem, kein Ding, das man sich vorstellen kann.

Funktioniert haben am Ende die Produkte, die jeder sofort erkennt, nur veredelt. Eine Lupe. Ein Klappstuhl. Ein Kabel. Wer beim Zuschauen erst überlegen muss, was er da sieht, hat die Pointe schon verpasst, bevor sie ankommt.

Das ist übertragbar, und zwar nicht nur auf Satire. Jede Präsentation, jedes Konzeptpapier, das mit einem Fachbegriff eröffnet, macht denselben Fehler. Erst das Bild, dann die Erklärung – nicht umgekehrt.

Ein Produkt muss das Problem lösen, nicht beschreiben

Meine erste Version gegen endlose Redebeiträge war eine Sanduhr. Sah gut aus. Tat aber nichts. Eine Sanduhr misst Redezeit, sie beendet keinen Redebeitrag.

Erst als ich das Produkt tatsächlich eingreifen ließ – ein Hochhalte-Schild mit der Aufschrift „Das, was er sagt.“, das auf jemanden zeigt, der es schon gesagt hat – saß die Pointe. Der Unterschied klingt klein. Er entscheidet trotzdem, ob jemand lacht oder nur nickt.

Bei echten Digitalprojekten läuft dieselbe Falle: ein Dashboard, das ein Problem sichtbar macht, ist noch keine Lösung. Sichtbarkeit ist der erste Schritt, nicht der letzte.

Wo Typografie in den Bildgenerator gehört – und wo nicht

Kleine, aber teure Lektion: Text, den ich direkt ins Bild generieren ließ, brach bei jeder Korrekturrunde neu. Das Modell rendert Schrift jedes Mal frisch, statt sie durchzureichen. Ein falscher Buchstabe in Runde drei war in Runde vier oft ein anderer falscher Buchstabe.

Die Lösung war simpel und kostete mich trotzdem drei Anläufe, bis ich sie konsequent durchgezogen habe: neutrales Objekt generieren, Schrift danach als Ebene draufsetzen. Nur zwei Ausnahmen habe ich gemacht – dort, wo der Text wirklich Teil des Objekts ist, etwa eine Gravur auf Metall. Alles andere: Layer.

Wer mit KI-Bildern arbeitet und dabei Beschriftungen braucht, spart sich damit Stunden.

Wo Satire aufhört, ist eine Briefing-Frage

Auf meiner ersten Produktliste standen auch Gemeindefusion und Kirchenaustritte. Beides real, beides schmerzhaft, beides aktuell für viele Gemeinden gerade jetzt.

Ich habe sie rausgenommen. Nicht weil sie nicht witzig gewesen wären – sondern weil ein vergoldetes Gadget dagegen keine Übertreibung mehr ist, sondern Zynismus. Wer gerade sein Gemeindehaus verliert, findet dafür kein Produkt komisch.

Diese Frage habe ich bei jedem einzelnen Motiv gestellt, nicht einmal für die ganze Kampagne. Das ist mehr Aufwand. Es ist aber der Unterschied zwischen einer Kampagne, die eine Kultur veralbert, und einer, die über Menschen lacht, die gerade etwas verlieren.

Was bleibt, wenn der Witz vorbei ist

Das Video endet nicht mit einer Pointe, sondern mit einem nüchternen Sitzungsraum, einer Thermoskanne und dem Satz: „Nichts davon gibt es. Dienstag, neunzehn Uhr. Wieder.“

Kein Happy End, keine Auflösung. Genau das ist der Punkt. Die Leute, über die diese Kampagne lacht, sitzen trotzdem wieder am Dienstag am Tisch. Ohne Gadgets, ohne Applaus, meistens ohne dass es irgendjemand mitkriegt.

Das ist die eigentliche Pointe der ganzen Sache. Nicht die Espressomaschine im Koffer – sondern dass es sie eben nicht gibt, und trotzdem alle wieder kommen.

Der Stuhl von 1974 muss deshalb trotzdem nicht bleiben.

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