Die Frage, die du überspringst, sagt am meisten
Teambuilding funktioniert erst, wenn niemand am Kopfende die Frage ausgesucht hat.
Teamtag, halb zehn. Jemand sagt: „Wir machen jetzt eine Runde zum Kennenlernen.“ Und im ganzen Raum rutschen die Leute einen Zentimeter zurück auf ihren Stuhl. Zwei Stunden später weiß niemand mehr voneinander als vorher, aber alle waren freundlich.
Warum Fragen für Teambuilding im Dienst so zäh werden
Das liegt nicht an schlechten Fragen. Es liegt daran, wo die Antwort hingeht.
Wer im Team etwas von sich erzählt, erzählt es Menschen, mit denen er am Montag über die Urlaubsvertretung verhandelt. Also fällt die Antwort vorzeigbar aus. Meine größte Schwäche ist Ungeduld. Ich kann schlecht Nein sagen.
Alle wissen, dass das nicht stimmt. Alle nicken trotzdem.
Die Frage hat einen Absender, und der sitzt am Kopfende
Wenn die Leitung die Frage aussucht, ist sie nie nur eine Frage. Sie ist ein Hinweis darauf, was heute erwartet wird.
Frag nach dem größten Fehler, und du bekommst Fehler, die sich gut erzählen lassen. Frag nach dem Antrieb, und du bekommst das Leitbild zurückzitiert.
Als stellvertretender Pressesprecher weiß ich, wie schnell Leute erkennen, welche Antwort gerade gebraucht wird. Das ist keine Unehrlichkeit, das ist Berufserfahrung.
Was sich ändert, wenn die Frage gezogen wird
Auf dicebreaker.de steht ein Knopf. Ein Klick zieht eine von 500 Fragen und zeigt ihre Nummer.
Die Nummer ist wichtiger, als sie aussieht. Sie belegt, dass niemand gesucht hat. Es gibt keine Themenauswahl, keine Sortierung nach leicht und schwer, weil jede Auswahl den Absender zurückholt.
Alle sehen die Frage gleichzeitig. Die Leitung weiß so wenig wie der Rest und antwortet zuerst.
Überspringen gehört zur Übung, nicht zum Scheitern
Wird es zu persönlich, wird weitergewürfelt. Ohne Erklärung. Wer nach dem Grund fürs Passen fragt, hat die Freiwilligkeit gerade kassiert.
Zwischen Vorgesetzter und Mitarbeiterin ist Freiwilligkeit ohnehin nie ganz freiwillig. Deshalb passt die Leitung als Erste einmal sichtbar. Sonst traut es sich niemand.
Und Seelsorgliches gehört nicht in eine Dienstbesprechung, auch wenn es freiwillig kommt. Wer das nicht sicherstellen kann, lässt den Knopf liegen.
Es hat sich gelohnt, wenn ein Mensch einen anderen besser versteht
Mehr ist nicht der Anspruch. Kein Teamgeist, kein messbarer Effekt auf die Zusammenarbeit im vierten Quartal.
Einer versteht einen anderen etwas besser als vorher. Das ist der ganze Ertrag, und für zwanzig Minuten ist er groß.
Belegen lässt sich das nicht. Wer für den Teamtag eine Auswertung braucht, sollte etwas anderes machen.
Oder du nimmst die Fragen nur für dich mit
Du musst sie nicht laut stellen. Zieh vor der Sitzung eine und beantworte sie im Kopf.
Interessanter ist ohnehin die, die du überspringst. Warum ausgerechnet die nicht? In einer Runde mit Kolleginnen, bei der einen Person schon, bei der anderen nicht. Darin steckt mehr Information über dich als in jeder Antwort, die du gegeben hättest.
Ich habe die Fragen selbst geschrieben und überspringe trotzdem welche. Immer dieselben, jedes Mal.
Welche Frage würdest du in deinem Team überspringen?
Und würdest du sie überspringen, weil sie zu persönlich ist, oder weil sie im Büro etwas sichtbar machen würde, das du dort nicht sichtbar haben willst?
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👉 Methoden für Moderation und Gesprächsführung — https://dicebreaker.de/kommunikation/