Das Presbyterium: Wo Macht auf Ahnung trifft

Es ist kein Team. Es ist kein Ehrenamt wie jedes andere. Und es ist schon gar nicht der Ort, an dem sich (ausnahmslos) kluge Menschen regelmäßig zusammensetzen, um gemeinsam zukunftsorientierte Entscheidungen zu treffen. Es ist das Presbyterium.

Und wer einmal Teil davon war – oder daneben saß, gezwungenermaßen, wie der Protokollant oder die Schattenverwalterin – weiß: Hier wird nicht nur beraten. Hier wird taktiert, gebremst, blockiert, manchmal gebetet – und öfter geschwiegen, wenn’s eigentlich laut sein müsste.

Wer da sitzt, steht nicht im Lehrbuch

Wer denkt, das Presbyterium sei eine funktionale Zusammensetzung aus theologischer Expertise, betriebswirtschaftlicher Kompetenz und geistlicher Reife, hat noch nie eine Sitzung erlebt. Da sitzt niemand, weil er perfekt passt. Da sitzt man, weil man gewählt wurde. Oder nie wieder gegangen ist.

Ich war selbst Teil eines solchen Gremiums. Ich habe mehrere Presbyterien über Jahre hinweg beruflich begleitet. Und ja – ich erkenne mich selbst in mindestens einem dieser Typen wieder. Ich war mal Teil eines Leitungsgremiums, in dem die Namensschilder vor jeder Sitzung mit dem Lineal exakt ausgerichtet werden mussten. Hier soll Innovation passieren? Da hatte die Ordnung schon gewonnen, bevor jemand überhaupt das Wort „Veränderung“ sagen konnte.

Die Ausbildung hat das nicht vorgesehen

In zwei – aufeinander aufbauenden! – Weiterbildungen und sogar zuvor während meiner Ausbildung wurde ich hunderte Male gebeten, spontan und vollständig aufzuzählen, wie sich ein Presbyterium zusammensetzt. Das war dann auch die Aufgabe in den Test, sogenannten „Klausuren“ und selbst den Abschlussprüfungen!

Das ist der Lehrplan. Das ist das Modell. Das ist kirchliches Funktionswissen. Didaktisch? Nein. Methodisch? Leider auch nicht. – Ich habe funktioniert. Wie eine Maschine. Antwort gegeben, Artikel und Paragraf zitiert, durchgehalten. Und nie wirklich geantwortet: Wer da eigentlich sitzt.

Heute antworte ich anders

Heute habe ich das Bedürfnis, es aufzuschreiben. Nicht als Struktur. Sondern als Charakterbild. Nicht zur Belustigung. Sondern zur Erkenntnis. Denn wenn jemand fragt:

„Wer sitzt denn da so im Presbyterium?“

dann will niemand die Kirchenordnung zitiert bekommen – hoffentlich. Man will wissen, wer da wirklich sitzt. Die Antwort ist:

Diese hier.

Für alle, die trotzdem die Paragraphen brauchen

Ich habe einen Bot auf der Seite trainiert. In unzähligen Stunden habe ich ihn Tag und Nacht gefragt, wie sich das Presbyterium zusammensetzt. Bis er es endlich kapiert hatte … und immer und immer wieder die richtige Antwort gegeben hat. (Er konnte es – wie auch die Auszubildenden damals – nach dem ersten Versucht). Aber weiter im Text: Er gibt dir die richtige Antwort. Jederzeit. Ohne Ironie. Viel Freude, liebe Prüfer:innen, Dozent:innen und Kirchenordnungszitate-Liebhaber.

Für alle anderen: Schaut euch um

Diese Übersicht soll nicht dazu dienen, sich selbst zu erkennen. Sondern die anderen. Denn die Bibelleserin bringt Tiefe, wo andere auf Zahlen starren. Der Pflichtvater bringt die Realität zwischen Kita und Sitzungstisch mit. Die Insta-Pfarrerin erreicht, wen andere längst aufgegeben haben. Und selbst der Protokollant – überfordert, aber bemüht – zeigt, wo Strukturen Menschen überrollen.

Sie alle sind da. Und sie alle haben einen Wert. Zugegeben: oft schlecht verpackt. Manchmal laut. Manchmal passiv. Manchmal einfach nicht hilfreich. Aber keine dieser Personen ist überflüssig. Keine.

Darum diese Übersicht

Weil Leitung nicht beginnt, wenn alle perfekt sind – sondern wenn man beginnt zu verstehen, mit wem man es zu tun hat. Und warum jede:r einzelne da ist.

Diese Profile sind überzeichnet. Aber sie sind real. Und sie helfen dabei, etwas Entscheidendes zu erkennen: Wirkung beginnt mit Wahrnehmung. Und vielleicht beginnt Veränderung genau da.

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