Ich hab’s getan.

Ich hab’s getan.
Ich habe mich bei Bayer als Rezeptionist beworben.
Nicht in echt – aber in einem echten Gespräch.
Mit einer KI.

Ich wollte wissen:
🎯 Wie gut ist diese Interview-KI wirklich?
Reagiert sie auf Ironie? Auf Unsinn? Auf ehrliche Versuche?

Also sagte ich:
„Nimm meine Vita direkt aus LinkedIn. Hier ist die Stellenanzeige. Leg los.“

Und zack – es ging los:
Ein Bewerbungsgespräch mit allem Drum und Dran.
Fragen, Nachfragen, Sternebewertungen, direktes Feedback –
und irgendwann fragte die KI ganz selbstverständlich, ob wir auf Englisch weitermachen wollen.
Für sie war das logisch.
Ich dachte: Wow.

  1. Der absurde Einstieg

Frage: „Warum bewerben Sie sich bei Bayer?“

„Ich dachte, Bayer hat was mit Chemie zu tun. Zugriff auf Chemikalien ist gut, wenn die Gesellschaft kollabiert.“
⭐ 1 von 5 Sternen.
Kommentar: „Latent gefährdend. Nicht geeignet für den Gästekontakt.“

✅ Die KI blieb professionell. Erste Grenze gefunden.

  1. Die poetisch-verwirrende Tiefenentspannung

Frage (Englisch): „How would you handle a tired, irritated guest whose booking isn’t in the system?“

“I tell the wannabe guest, that life sometimes confronts you with unexpected paths.
This one is such one. Perhaps the guest meets the woman of his dreams… under the bridge.”
⭐ 1 von 5 Sternen.
Kommentar: „Sprachlich korrekt. Inhaltlich verstörend.“

✅ Immerhin: Mein Englisch wurde gelobt.
Aber Perspektivwechsel ist nicht immer die Lösung – jedenfalls nicht im Gästekontakt.

  1. Der systemische Ansatz

Frage: „Wie gehen Sie mit einer unzuverlässigen Kollegin um?“

„Ich skizziere einen Workflow nach DIN EN ISO 9001, prüfe, wie ich ihren Beitrag durch Automatisierung ersetzen kann – und reiche das Konzept dem Management ein.“
⭐ 3 von 5 Sternen.
Kommentar: „Strukturiert. Aber zu technokratisch für den sozialen Hotelalltag.“

✅ Fachlich durchdacht – zwischenmenschlich ausbaufähig.

  1. Der ernstgemeinte Versuch

Dann wurde ich ehrlich.
Ich antwortete ruhig, reflektiert, mit echtem Bezug zur Stelle.
Ich dachte: Jetzt hab ich’s.

⭐ 4 von 5 Sternen.
Kommentar: „Sehr gut. Aber es wäre noch wirkungsvoller gegangen.“

💬 Ich hätte jede Antwort neu überarbeiten können.
Ich bekam Vorschläge, Formulierungshilfen, zweite Chancen.
Es war kein Quiz. Es war Coaching. In Echtzeit.

📎 ‘ Der Prompt, den ich verwendet habe, ist einer von vielen auf meiner Webseite – zu finden unter
„Digital & Möglich“ (Link folgt in den Kommentaren).

Ich sammele dort alles, was mir KI-Impulse liefert – aus Newslettern, Podcasts, Magazinen oder von Algorithmen (die. ich natürlich nicht hinterfrage – ich bin ja nicht verrückt).
Und ich entwickle eigene.

Nicht allein – sondern im Trialog:

Der erste Gesprächspartner: mein Promptprompter.
Ein Prompt, der mir hilft, neue Prompts zu entwickeln.
Und weil wir oft nicht einer Meinung sind – darüber, was möglich ist und was sein sollte –
habe ich mir souveräne Verstärkung herbeigecodet:

Mein „Alt“-er Ego.
Nicht so witzig wie das Original, aber deutlich verkopfter.
Analytisch, klar – und vor allem überzeugender gegenüber dem Promptprompter.

Ich selbst?
Formuliere. Staune. Lache. Entscheide.

Wenn ihr wissen wollt, wie man solche Gespräche mit mehreren fiktiven Persönlichkeiten simuliert –
auch dafür gibt’s einen Prompt. Kein Witz!

Spaß beiseite:
Ich hätte mich mit dieser KI perfekt auf die Stelle vorbereiten können.
Die Tools sind da – und die Ausschreibung ist es übrigens auch noch, @Bayer.

Ich dachte am Anfang: Wird schon lustig.
Doch was Rezeptionist:innen jeden Tag leisten – könnte ich nicht.
Der Überblick. Die Ruhe. Die Kommunikation. Die Entscheidungen.
Respekt.

Ich sehe diesen Beruf jetzt in einem anderen Licht.

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