Leitbild-Generator: Für Transformation. Gegen Veränderung.

Über zwei Millionen Möglichkeiten, Zukunft zu formulieren. Und eine unbequeme Frage: Was ändert sich eigentlich danach?

Irgendwann steht auf dem Flipchart ein einziges Wort. Es hat zwei Workshop-Tage gekostet, eine externe Moderation und ein Mittagessen mit Beilagenwahl. Alle nicken. Das Ergebnis wird fotografiert, ein Protokoll folgt. Niemand weiß, was sich ab Montag ändert.

Wenn Veränderung zum Tagesordnungspunkt wird

Alle wissen: So kann es nicht weitergehen. Also wird ein Strategieprozess aufgesetzt, mit Auftaktveranstaltung, Arbeitsgruppen und möglichst vielen Beteiligten. Am Ende steht ein Leitbild.

Das fühlt sich nach Veränderung an. Es hat Termine gebraucht, Menschen beschäftigt und Ergebnisse produziert. Die Leitung kann berichten, dass etwas passiert ist.

Ich kenne solche Mechanismen aus meiner Arbeit in der Verwaltung. Zwischen einem Beschluss und seiner Umsetzung liegt erstaunlich viel Platz. Und manchmal ist genau dieser Platz ausgesprochen bequem.

Was ein neues Leitbild kostet

Sagen wir: zwei Tage, zwanzig Menschen, dazu Vorbereitung und Nachbereitung. Was der Prozess gekostet hat, verteilt sich auf Arbeitszeit, Sachmittel und mehrere Haushaltspositionen und lässt sich hinterher kaum zusammenrechnen.

Das Ergebnis dagegen sieht man: ein Satz für die Website und drei Werte für den Jahresbericht. Irgendwann kennt niemand mehr den genauen Wortlaut.

Das muss kein Scheitern sein. Ein gutes Leitbild kann Orientierung geben und Entscheidungen erleichtern. Es verändert aber nichts, solange keine Entscheidung daraus folgt.

Drei Räder statt zwei Workshop-Tage

Ich habe deshalb den Leitbild-Generator entwickelt. Drei Räder, ein Knopfdruck, ein Leitbild. Aus Eigenschaftswörtern, Vorsilben und Hauptwörtern entstehen über 2,2 Millionen Kombinationen, die ziemlich überzeugend nach Strategie klingen.

Zu jedem Ergebnis gibt es eine Bedeutung in drei Sätzen, vorgetragen mit der Selbstgewissheit, die man von einem ordentlichen Leitbild erwartet. Einzelne Räder lassen sich festhalten, gelungene Ergebnisse speichern und als Grafik mit QR-Code teilen. Die App berechnet außerdem, wie viele Workshop-Tage du dir theoretisch erspart hast. Sie funktioniert offline, ohne Benutzerkonto und ohne Werbung.

Keine KI schreibt mit. Die Bedeutungen entstehen aus Textbausteinen. Sinn aus Bausteinen bekommen Organisationen seit Jahren ohne Maschine hin.

Auch die App ist umsonst. Du findest sie hier: https://apps.apple.com/de/app/leitbild-generator/id6816921667

Ein Experiment für die nächste Sitzung

Der Leitbild-Generator ist Satire. Er lässt sich trotzdem ernsthaft einsetzen. Dreh die Räder, projiziere das Ergebnis an die Wand und lass die Gruppe überlegen, warum diese Formulierung vielleicht sogar zu eurem Verband, Unternehmen oder Team passen würde.

Dann stell drei Fragen:

1. Was genau behauptet dieses Leitbild über uns?

2. Woran würde jemand von außen erkennen, dass wir tatsächlich so handeln?

3. Welche konkrete Entscheidung müssten wir morgen anders treffen?

Spätestens bei der dritten Frage wird es interessant. Plötzlich geht es um Verhalten und Konsequenzen, und die Formulierung ist egal geworden.

Was die App nicht löst

Sie löst keine Organisationsprobleme und trifft keine schwierigen Entscheidungen. Sie produziert Worte. Das ist der Witz, und es ist ihre Grenze. In vielen Veränderungsprozessen geht mehr Energie in die Beschreibung der Zukunft als in ihre Gestaltung. Ich glaube an gute Leitbilder. Eine gute Formulierung ersetzt trotzdem keine schlechte Entscheidung.

Entstanden ist die App aus echten Sitzungen. Leider.

Und jetzt mal ernsthaft: Wer kennt das Leitbild der eigenen Organisation und kann sagen, welche Entscheidung dadurch anders getroffen wurde?

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