Sag mir, wo dein Netzwerk ist und ich sag dir, wer du bist.
Zwölf Plattformen. Zwölf Versprechen. Ein Experiment.
Für ein KI-generiertes Satire-Reel habe ich zwölf Social-Media-Kanälen dieselbe Frage gestellt: Warum sollte ich meine Zeit ausgerechnet mit dir verbringen? Jede Plattform tritt mit einem Selbstbild an, das erstmal überzeugend klingt. Instagram verkauft Inspiration. TikTok verkauft Relevanz. LinkedIn verkauft Karriere. Facebook verkauft Gemeinschaft. Reddit verkauft echte Antworten. Pinterest verkauft ein besseres Leben.
Und dann kommt bei jedem der Bruch.
Ein Prinzip, zwölfmal durchgespielt
Das Format ist bewusst simpel gehalten: Selbstbild, Pause, Punchline. Jede Figur beginnt überzeugend – selbstbewusst, warm, kompetent, je nach Plattform. Und jede Figur entlarvt sich am Ende selbst, mit einem einzigen Satz. Keine Anklage von außen. Die Plattform sagt es selbst.
Das war mir wichtig: Es geht nicht darum, eine Plattform schlechter dastehen zu lassen als eine andere, oder Nutzerinnen und Nutzer vorzuführen. Es geht um ein Muster, das sich über alle zwölf Kanäle hinweg wiederholt – nur mit unterschiedlicher Verpackung.
Die eigentlich interessante Frage
Man könnte das Reel als Medienkritik lesen. Als eine weitere Stimme im Chor derer, die sagen: Social Media macht etwas mit uns. Und das stimmt sicher auch.
Aber die spannendere Frage ist für mich eine andere. Nicht: Was machen soziale Netzwerke mit uns? Sondern: Warum arbeiten wir so bereitwillig an unserer eigenen Inszenierung mit? Jede der zwölf Plattformen bietet im Kern ein Ideal an – Erfolg, Zugehörigkeit, Relevanz, Authentizität. Und jede zeigt am Ende vor allem, wie sehr wir uns danach sehnen.
Das ist keine neue Erkenntnis. Aber sie wird selten so konkret, wie wenn man sie Plattform für Plattform durchgeht und merkt: Das Muster wiederholt sich zwölfmal. Mit unterschiedlichen Zielgruppen, unterschiedlicher Ästhetik, aber demselben Kern.
Warum das Thema auch mit KI und Kirche zu tun hat
Ich beschäftige mich beruflich mit KI, Kirche und Kommunikation – und dieses Projekt sitzt genau an der Schnittstelle. Zum einen technisch: Das gesamte Reel ist KI-generiert, von den Bildern über die Stimmen bis zu den Videosequenzen. Ein Werkzeug, das selbst Teil der Plattform-Ökonomie ist, wird hier benutzt, um genau diese Ökonomie zu spiegeln.
Zum anderen inhaltlich: Wer beruflich mit Kommunikation zu tun hat – ob in einer Redaktion, einer Organisation oder einer Kirchengemeinde – kennt die Versuchung, sich selbst über die Reichweite zu definieren, die man erzielt. Reichweite ist messbar, sichtbar, vergleichbar. Beziehung ist es nicht. Genau diese Verschiebung ist eines der Themen, die mich beschäftigen: Wann wird aus Kommunikation Inszenierung? Und was verlieren wir dabei, ohne es zu merken?
Kein Fingerzeig, sondern ein Spiegel
Am Ende ist dieses Reel weder eine Anklage gegen Social Media noch ein Appell zur Löschung sämtlicher Accounts. Es ist ein Spiegel – bewusst überzeichnet, bewusst pointiert, aber ehrlich gemeint.
Die eigentlich unbequeme Frage stelle ich mir selbst genauso wie jedem, der das Reel sieht: Was ist eigentlich schlimmer – was die Netzwerke mit uns machen, oder dass wir immer noch da sind?
Ich habe darauf keine fertige Antwort. Aber ich finde, es lohnt sich, die Frage öfter zu stellen, als wir es tun.