Teleshopping für den Vorgarten: ein KI-Video und ein Spiel zum Reformationstag
Warum bei KI-Satire das Modell das Material liefert und du die Pointe.
Halloween hat seit September ein Regal. Kürbisse, Plastikspinnen, ein Skelett, das nachts per Bewegungsmelder klappert. Der Reformationstag fällt auf denselben Tag und hat im Baumarkt nichts.
Das fand ich ungerecht. Also habe ich ihm ein Regal gebaut, komplett mit KI, komplett erfunden. Gelernt habe ich dabei mehr über Handwerk als über Luther.
Teleshopping für den Vorgarten
Das Video ist eine Dauerwerbesendung wie von einem obskuren Verkaufskanal um drei Uhr nachts. Ein leichter TV-Glitch liegt über jedem Bild. Es beginnt mit einem Fuß, der einen Halloween-Kürbis zermatscht. Dann preist eine gesetzte Stimme „Refo-Merch“ an, mit Preiseinblendung, langsamem Zoom und einem eigenen Geräusch pro Produkt.
Eine Tesla-Spule röstet als Blitz-Maschine einen Gartenzwerg, Modell Stotternheim. Die Sola-Gratia-Tüte bleibt lautlos, weil sie kein Süßes enthält, nur Gnade. Das Luther-Kostüm zoomt mit Kino-Bass ins Bild, die Plastikbibel blinkt, eine Railgun feuert Thesenpapier. Das Stehaufmännchen wackelt unter starrer Kamera: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“
Die Pointe sitzt beim Dackel im Pfarrer-Talar. Er blickt ausdruckslos, die Kamera steht still, und nach dem Lärm der Railgun ist es unangenehm leise. Mehr braucht es nicht. Danach springt eine Konfirmationsurkunde als Jump-Scare-Edition auf, und die Kamera fährt aus einem Hochregallager voller Luther-Figuren zurück. Ein gelber Balken schreit: „JETZT VORRAT SICHERN!“
Ich veralbere die Kultur, nicht die Menschen darin. Alle Produkte sind erfunden, das Video ist als KI-Satire gekennzeichnet.
Wo die Maschine mich gebremst hat
Das Bildmodell nimmt keine Änderungswünsche an. Wer „Spule größer“ schreibt, bekommt ein neues Bild, nicht das alte mit größerer Spule. Jede Korrektur ist deshalb ein vollständiger neuer Prompt.
Beim Stehaufmännchen hat der Content-Filter mehrfach geblockt. Der Grund ist vermutet, vermutlich die Ähnlichkeit zu bekanntem Spielzeug. Die Lösung ist gesichert: Gesicht komplett leer lassen und die Figur als Gartenornament beschreiben. Das leere Gesicht ist komischer als jedes gemalte.
Beim Video steckt die Schwierigkeit in der Physik. Schrift und bewegte Partikel gleichzeitig hält kaum ein Modell durch. Die Lösung lag meistens im Startbild: ein Frame, auf dem der Vorgang schon läuft.
💡 Quickwin: Gib jedem Clip genau eine erlaubte Bewegung und stell die Kamera fest. Bewegung zu verbieten funktioniert schlecht, Bewegung zu lenken funktioniert. Etwas darf herunterfallen oder verschwinden, statt dass etwas einfrieren soll.
Erst das Bild prüfen, dann den Text anpassen
Ich habe jedes Ergebnis neben die Sprechzeile gelegt und den Text geändert, statt das Bild zu erzwingen. Die KI liefert, was sie liefert. Wer am ersten Satz festhält, bezahlt mit zwanzig weiteren Versuchen.
Daraus ist meine Arbeitsteilung geworden. Das Modell liefert Material, ich bin der Redakteur, der entscheidet, was stehen bleibt. Die Pointe entsteht beim Prüfen, nicht beim Generieren.
Reformationstag Survivor: Das Spiel gibt es wirklich
Das Video endet mit einem Versprechen. Das Spiel-Icon erscheint, ein Button „Laden im App Store“ stempelt sich ins Bild, und eine hauchende Frauenstimme flötet wie aus der Late-Night-Parfümwerbung. [Reformationstag Survivor](https://apps.apple.com/de/app/reformationstag-survivor/id6823199426) habe ich selbst gebaut. Es gibt es wirklich.
Du trittst als Reformator aus der Kirche und stehst allein gegen eine Stadt voller Verkleideter, Kürbisse und Gespenster. Das Spiel hat einen Pixel-Look und du steuerst nur mit dem Finger. Die Waffen greifen automatisch an, von Bibelwurf über Thesenhammer bis Weihwasser und Kirchenmäusen. Du weichst Warnkreisen aus und überstehst zwölf Minuten bis zum Endboss, vorher wartet der Kürbisfürst.
Bei jedem Aufstieg wählst du eine neue Waffe oder ein Power-up. Aus Waffe, Power-up und Boss-Truhe entsteht eine Superwaffe, bis zu sechs sind möglich. Du kannst als Reformator, Katharina, Kantor oder Küsterin spielen. Wenn alles verloren scheint, gibt dir Sola Fide eine zweite Chance.
Die Stadt ist offen. Es gibt Ereignisse, Kuriere und Geheimgänge, und ein Pfeil weist dir den Weg. Dazu kommen eine Bestenliste über Game Center, Haptik, Musik und Soundeffekte.
Der Rahmen ist schnell erzählt: kostenlos, ohne Werbung, ohne Käufe, ohne Registrierung. Das Spiel ist auf Deutsch, läuft auf dem iPhone und ist ab 13 Jahren freigegeben. Die Store-Seite nennt es ein unabhängiges Fan-Projekt ohne offizielle Verbindung zu einer Kirche.
Satire hört sonst beim Lachen auf. Hier gibt es danach etwas zu tun.