Verwaltungsberufe und KI: eine ehrliche Berufsberatung

Warum die Zahlen zum Berufseinstieg auch eine Frage an den eigenen Küchentisch sind.

Kennst du das: Die Stelle für den Berufseinstieg bleibt frei. Nicht, weil sie niemand braucht – sondern weil das Team es auch ohne sie schafft. Die einfachen Aufgaben, an denen früher Berufseinsteiger das Handwerk gelernt haben, übernimmt heute ein Chatbot mit.

Was die Zahlen wirklich zeigen

Das Stanford Digital Economy Lab wertet seit dem Start von ChatGPT Lohnabrechnungsdaten von Millionen US-Beschäftigten aus. Ergebnis der jüngsten Auswertung: Von einer breiten Entlassungswelle keine Spur. Aber Beschäftigte zwischen 22 und 25 Jahren liegen in stark KI-exponierten Berufen 19 Prozent unter dem Niveau, das ohne KI zu erwarten wäre. Erfahrene Beschäftigte in denselben Berufen zeigen diese Lücke nicht.

Die Bundesregierung sieht das gelassener. In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage verweist sie auf Konjunktur, Demografie und Strukturwandel und sieht keine Belege für einen kausalen Zusammenhang. Das ist nicht falsch. Es verwischt nur den Unterschied zwischen „kein Beweis“ und „kein Effekt“.

Die unbequeme Frage am Küchentisch

Ich bin kirchlicher Verwaltungsbeamter. Wenn ich ehrlich durchgehe, was ich über Jahre bei Kommune und Kirche gelernt habe – Fristen prüfen, Bescheide formulieren, Sachverhalte in die richtige Rechtsgrundlage sortieren, Aktenvermerke schreiben –, dann macht mich das nachdenklich.

Und das gilt nicht nur für die Kommune. Kirchliche Verwaltung ist derselbe Beruf mit anderem Logo: Meldewesen, Haushalt, Friedhofsverwaltung, Protokolle, Anträge, Statistik ans Landeskirchenamt.

Wenn mein Kind mich fragen würde, ob es das lernen soll, wäre meine Antwort nicht mehr dieselbe von vor zehn Jahren.

Was übrig bleibt, ist nicht wenig

Nur: Die Verwaltung war nie der Kern dieser Arbeit, sie war der Preis dafür. Was in Kirche und Kommune wirklich zählt, steht in keiner Bearbeitungsroutine. Das Gespräch am Tresen, wenn jemand mit einem Antrag kommt und eigentlich ein Problem hat. Die Trauerfeier, die organisiert werden muss, während jemand nicht mehr klar denken kann. Das Ehrenamt, das man nicht verwaltet, sondern gewinnt.

Wenn KI die Aktenlage übernimmt, bleibt genau der Teil übrig, für den die meisten diesen Beruf ursprünglich gewählt haben. Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte: Diesen Teil lernt man nicht in der Ausbildung. Man lernt ihn über Jahre, in den Stellen, die gerade wegfallen.

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