Ein Browserspiel erklärt eine Institution besser als jede Pressemitteilung

Warum ein kleines Browserspiel für Öffentlichkeitsarbeit mehr taugt als der nächste Flyer – und was passiert, wenn man die Idee ernster nimmt als die Ausführung.

Wer in der Kommunikation einer Institution arbeitet, kennt das Format: der Flyer, den niemand liest. Die Pressemitteilung, die intern für wichtig gehalten wird und extern niemanden erreicht. Der Post mit dem Foto vom Handschlag.

Ich habe vor wenigen Monaten angefangen, Institutionen stattdessen als kleine Browserspiele zu erzählen. KirchWeg, VerwaltungsFusion, Pfarrstellen2048, MitgliederBindung – jedes Spiel nimmt einen echten Ablauf und macht daraus dreißig Sekunden Spielzeit statt drei Absätze Text.

Wenige Tage danach hat das Weiße Haus eine eigene Arcade-Seite veröffentlicht. Kleine Retro-Spiele, darunter: ein Tetris-Klon, dazu ein Snake-Klon und ein Flappy-Bird-Klon. Inhaltlich erzählen sie Grenzpolitik und Abschiebung.

Die Idee war identisch. Nicht abgeschaut (vermutlich 🙄), nur gleichzeitig entdeckt – Storytelling über ein kleines, bekanntes Spielprinzip ist offenbar naheliegend genug, dass sowohl ein Ein-Personen-Blog als auch eine Regierungskommunikation unabhängig voneinander darauf kommen.

Warum das Format für Öffentlichkeitsarbeit funktioniert

Ein Browserspiel braucht keine Anmeldung, keine App, keine Erklärung. Man klickt, spielt kurz, versteht die Pointe. Das schafft ein Flyer nicht, und eine Pressemitteilung schon gar nicht.

Genau deshalb ist das Format für Öffentlichkeitsarbeit interessanter, als es klingt: Es zwingt dazu, einen Ablauf so weit zu verdichten, dass er als Mechanik funktioniert. Wer ein Spiel über den Dienstweg baut, muss erst verstehen, was am Dienstweg eigentlich absurd ist – bevor er eine einzige Zeile Code schreibt. Diese Verdichtung ist der eigentliche Wert, nicht die Grafik.

💡 Quickwin: Bevor du das nächste Mal einen komplizierten Ablauf erklären willst – Antrag, Genehmigung, Formular –, frag dich: Welche einzige Regel würde ein Spiel daraus machen? Meistens findest du damit auch den Satz, mit dem du den Ablauf in echt erklären solltest.

Die Idee ist neutral, die Ausführung nicht

Dass dieselbe Methode bei mir und im Weißen Haus zum Einsatz kommt, sagt nichts über den Inhalt. Ein Format ist kein Statement. Was ein Spiel über eine Institution sagt, entscheidet sich in der Mechanik und in der Haltung dahinter – nicht darin, dass es überhaupt eines gibt.

Nebenbei: Bei der Optik ist man in Washington näher am Original geblieben, als es Tetris‘ Rechteinhaber goutiert hat – das Spiel wurde wenige Tage später wieder entfernt. Ein eigenes Thema, kein Grund, dem Format selbst zu misstrauen.

Wenn du morgen einen Ablauf aus deiner Institution erklären müsstest – welcher wäre das, und welche Regel würde daraus ein Spiel machen?

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